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Facebook, Google & Co bedrohen die demokratische Meinungsbildung.

Öffentlich-rechtliche Medien müssen verstärkt im Internet präsent sein und wettbewerbsfähig ausgestattet werden.

Welche Herausforderungen sich für den gemeinwohlorientierten, öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Netz ergeben, diskutierten Medienvertreter und Wissenschaftler auf einem Symposium, das der Initiativkreis öffentlich-rechtlicher Rundfunk (IÖR) gemeinsam mit der Stadtbibliothek Köln am 26. November veranstaltete.

Hintere Reihe: Nora Hespers, Florian Hager, Dr. Klaus Unterberger, Prof. Dr. Armin Grunwald
Hintere Reihe: Nora Hespers, Florian Hager, Dr. Klaus Unterberger, Prof. Dr. Armin Grunwald, vorne: Prof. Dr. Erika Bock-Rosenthal, Brigitte Baetz

In der gut besuchten Veranstaltung widmete sich der Karlsruher Professor für Technikphilosophie und Technikethik und Leiter des Technikfolgenabschätzungsbüros beim Deutschen Bundestag, Armin Grunwald, der Frage, welche Bedrohungen für die Demokratie durch die großen Internetkonzerne wie Facebook, Google & Co. heute feststellbar seien.

Prof. Dr. Armin Grunwald
Prof. Dr. Armin Grunwald

Er erinnerte an die anfänglichen mit dem Internet verbundenen Hoffnungen und Utopien, durch die neuen hierarchiefreien Kommunikationsmöglichkeiten die Demokratie lebendiger und stärker zu machen. So könnte z.B. die Macht der professionellen Journalisten und Medien als Gatekeeper in der analogen Welt verringert werden, wenn jeder sich selbst zu Wort melden könne. In der Realität sei jedoch eine solche Informationsüberflutung entstanden, dass sich neue Gatekeeper gebildet haben, nämlich die großen Internetkonzerne, die mit intransparenten Algorithmen Informationen steuerten und damit die Meinungsbildung beeinflussten, ohne dass die Nutzer dies wahrnehmen könnten. Dies geschehe zudem ohne demokratische Kontrolle. Eine Bedrohung einer freien Gesellschaft sieht Grunwald auch darin, dass z.B. Facebook seine Nutzer wie Sektenmitglieder behandle. Sie sollen sich dort so wohl fühlen, dass sie sich gar nicht mehr vorstellen könnten, nicht mehr dabei zu sein.

Prof. Dr. Armin Grunwald auf dem Symposium des IOER am 26.11.2019 in Köln

Grunwald warnte auch vor der „Rhetorik der Optimierung“. Algorithmen könnten nicht die beste Lösung für eine Gesellschaft ausrechnen, da es diese nur in einer Diktatur gebe. In der Demokratie müsse das Gemeinwohl immer wieder neu ausgehandelt werden. Kritisch sieht Grunwald auch die Parole, dass wir uns fit für die Digitalisierung machen müssten. Die Digitalisierung sei kein unveränderbarer Prozess, sondern müsse von Politik und Gesellschaft demokratieverträglich gestaltet werden.

Im zweiten Referat widmete sich der Leiter des Public-Value-Kompetenzzentrums des Österreichischen Rundfunks (ORF) Dr. Klaus Unterberger der Frage, vor welchen Herausforderungen der gemeinwohlorientierte öffentlich-rechtliche Rundfunk heute steht. Er stellte die Betriebsumsätze der 10 größten Internetkonzerne von 654 Mrd. Euro den öffentlich- rechtlichen Medien in Europa mit 36 Mrd. gegenüber, einem Verhältnis von 1:18. Auch die Betriebsumsätze privater Rundfunkanbieter seien gestiegen, während die Betriebsumsätze des öffentlich-rechtlichen Rundfunks annähernd gleich geblieben seien. Angesichts dieser Marktmacht der kommerziellen Anbieter müssten sich die öffentlich-rechtlichen Medien in Europa auf ihre Stärken besinnen und die Unterscheidungsmerkmale zu den kommerziellen Medienunternehmen und Internetkonzernen deutlicher herausstellen. Die öffentlich-rechtlichen Medien folgten nicht einer „Marktlogik“, sondern einer „Demokratielogik“. Sie erfüllten eine öffentliche Aufgabe und verfolgten kein Geschäftsmodell.

Dr. Klaus Unterberger, Leiter des Public-Value-Kompetenzzentrums des Österreichischen Rundfunks (ORF) af dem Symposium des IOER am 26.11.2019 in Köln

Sie seien ihren Stakeholdern, den Bürger*innen, und nicht Shareholdern verpflichtet. Die öffentlich- rechtlichen Medien gehörten zur „Infrastruktur“ und seien nicht das „Feigenblatt“ einer demokratischen Medienordnung. Unterberger plädierte nachdrücklich dafür, dass die öffentlich- rechtlichen Medien ein „Gesamtangebot“ anbieten müssten. „Öffentlich-rechtlich finanzierte Public-Value-Inhalte müssen im Interesse einer positiven gesellschaftlichen Wirkung ein möglichst großes Publikum erreichen, also Reichweite erzielen. Dazu müssen sie in ein attraktives Gesamtangebot eingebettet werden, etwa durch die Verknüpfung mit fiktionaler Unterhaltung, mit populärer Musik im Radio oder die Nutzung entsprechender Möglichkeiten der Online Medien.“ (DIW-Studie 2016) Nur die öffentlich-rechtlichen Medien unterlägen einer vielfachen Kontrolle zur Sicherung ihrer

Glaubwürdigkeit und von Qualitätsjournalismus. Eine Transformation ins digitale Zeitalter verlange von den öffentlich-rechtlichen Medien Innovation, Kooperation und Allianzfähigkeit.

Unter der Moderation der freien Medienjournalistin Brigitte Baetz setzten sich der Programmge- schäftsführer des Online-Medienangebots von ARD und ZDF für junge Leute „funk“, Florian Hager, und die Podcasterin und Social-Media-Redakteurin Nora Hespers mit den Thesen der Referenten auseinander.

Hager hält es bei öffentlich-rechtlichen Angeboten im Netz für zentral, dass man als Netz- werk antrete und auch Videos über Drittplattformen verbreite. Das Smartphone sei mehr und mehr das Endgerät. An Hand praktischer Beispiele erläuterten die beiden erfolgreichen Netzaktivisten, dass es gerade im Netz der Auftrag sei, nahe an die Lebenswirklichkeit der jugendlichen Nutzer/innen her- anzukommen. Junge Leute müssten daher stärker an der Herstellung der Netzangebote beteiligt werden. Nora Hespers betont, dass sich der Journalismus zu einem Kommunikationsberuf entwickelt, bei dem es eben nicht mehr nur darauf ankommt zu senden, sondern das Gesendete auch mit Hörerinnen, Lesern und Zuschauerinnen zu diskutieren. Wichtig sei die Wertschätzung dieser Kommunikation innerhalb der Redaktionen, es sei aber auch eine Frage der zur Verfügung stehenden Mittel. Denn die one-to-many-Kommunikation in den sozialen Netzwerken (eine Social Media Redakteurin steht hunderten, wenn nicht tausenden Kommentierenden gegenüber), erfordert personelle wie finanzielle Ressourcen. Der Druck von unten auf die öffentlich-rechtlichen Medien sei da, es müsste nur oben (in den Chefetagen) die Tür aufgehen und mehr Mittel in digitale Angebote gelenkt werden. Unterberger wies darauf hin, dass Medienqualität auch online nicht gratis zu haben sei.

Der Medienrechtler Professor Dieter Dörr wies darauf hin, dass es Aufgabe der Gesetzgeber in den Bundesländern sei, vorherrschende Meinungsmacht zu verhindern und daher auch für das Internet ein Recht geschaffen werden müsse, dass der notwendigen Vielfaltssicherung Rechnung trägt. Er erinnerte daran, dass dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Netz starke Beschränkungen auferlegt worden seien, die erst in diesem Jahr teilweise aufgehoben wurden. Angesichts der Meinungsmacht der Intermediäre müsse, so Dörr, auch der Auftrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gestärkt und ausgebaut werden und er müsse publizistisch überall dort präsent sein können, wo die Nutzer sind.

Die vom Bundesverfassungsgericht festgestellte wachsende Bedeutung des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks, der zu den kommerziellen Angeboten im Internet ein vielfaltssicherndes Gegengewicht bilden müsse, hatte auch die Vorsitzende des IÖR Frau Professorin Bock-Rosenthal in ihrer Begrüßung hervorgehoben. (Pressemeldung (pdf, 130 KB) als Download)

Medienspiegel

Neue Herausforderungen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Internet

So lautet der Titel eines medienpolitischen Symposiums, zu dem der Initiativkreis öffentlich-rechtlicher Rundfunk (IÖR) am 26. November 2019 nach Köln einlädt.

Negative Entwicklungen im Internet stehen derzeit im Fokus öffentlicher Diskussion: Algorithmen, die uns und möglicherweise demokratische Wahlen manipulieren, Fake News, die sich schneller verbreiten als die wahren Tatsachen oder die Verrohung der Sprache durch Hasskommentare und Beleidigungen von Politkern und Prominenten.

Aber sind diese Erscheinungen möglicherweise nur Symptome einer Entwicklung, die wesentlich tiefere Ursachen hat?

Der IÖR hat angesehene und kompetente Persönlichkeiten gebeten, dieser Frage nachzugehen und insbesondere folgende Aspekte näher zu beleuchten:

Haben die negativen Entwicklungen im Internet strukturelle Ursachen?

Sind die Systeme der großen Internetkonzerne überhaupt noch beherrschbar? (Das Video des Christchurch-Attentäters z.B. verbreitete sich so schnell, dass es nicht mehr vollständig gelöscht werden konnte.)

Was bedeutet es für eine demokratische Gesellschaft, wenn ökonomische Interessen der großen Internetkonzerne bestimmenden Einfluss darauf nehmen können, welche Informationen der Einzelne bekommt und welche Themen in der Gesellschaft diskutiert werden?

Wie kann der gemeinwohlorientierte öffentlich-rechtliche Rundfunk der Gefahr einer Ökonomisierung der gesellschaftlichen Kommunikation entgegenwirken und seinem vom Grundgesetz aufgegebenen Auftrag gerecht werden, die Vielfalt der Meinungen in der Demokratie angemessen und wahrhaft auch im Internet zur Geltung zu bringen, damit die Voraussetzungen demokratischer Willensbildung erhalten bleiben?

Impulsvorträge hierzu halten Prof. Dr. Armin Grunwald, Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) Karlsruhe und Leiter des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) sowie Dr. Klaus Unterberger, Leiter des Public-Value-Kompetenzzentrums des österreichischen Rundfunks (ORF).

Mit den beiden Referenten werden diskutieren Dr. Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs und Team-Mitglied der Internetplattform netzpolitik.org, Florian Hager, Programmgeschäftsführer von „funk“, dem Online Medienangebot und Content-Netzwerk der ARD und des ZDF für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 29 Jahren sowie der Medienrechtler Prof. Dr. Dieter Dörr von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Die Diskussion moderiert die freie Journalistin Brigitte Baetz.

Ort der Veranstaltung: Stadtbibliothek Köln, Josef-Haubrich-Hof 1 50676 Köln (Nähe Neumarkt
Datum: 26. November 2019
Beginn: 13.00 Uhr

Online zur kostenlosen Anmeldung

Download des Einladungs-Flyers (PDF 2 MB)

Vortrag von Sabine Hadamik/IÖR, erschienen in epd medien Nr. 4/2019

Zur Bedeutung des Rundfunkbeitragsurteils für die Neuregelung der Telemedienangebote von ARD und ZDF

Mit seinem Urteil zum Rundfunkbeitrag vom 18. Juli 2018 hat das Bundesverfassungsgericht nicht nur im Wesentlichen die Verfassungsmäßigkeit des Rundfunkbeitrags festgestellt sondern auch zur Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Internet Stellung genommen und diesem die Funktion als Vielfalt sicherndes und dem Nutzer Orientierung bietendes Gegengewicht zu den privaten Anbietern und Angeboten zugewiesen.

Die Rechtsanwältin Sabine Hadamik formuliert auf der Grundlage dieses Urteils und seiner verfassungsrechtlichen Einordnung die Anforderungen an eine funktionsgerechte gesetzliche Ausgestaltung des öffentlich-rechtlichen Auftrags im Internet: Notwendig sei ein starker öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der in einem marktwirtschaftlichen Umfeld publizistisch konkurrenzfähig ist und den Nutzerbelangen effektiv Rechnung tragen kann. Das bedeute, dass der Gesetzgeber dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch die Möglichkeit einräumen muss, für seine Angebote die Darreichungsform zu wählen, mit der der jeweils zu vermittelnde Inhalt die Nutzer eines Angebots optimal erreichen kann.
Beschränkungen des öffentlich-rechtlichen Auftrags, die – wie das Verbot presseähnlicher Angebote – dem Schutz privatwirtschaftlicher Anbieter vor öffentlich-rechtlicher Konkurrenz dienen, seien zu diesen Anforderungen konträr, weil sie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der Wahrnehmung seiner zentralen Funktion als vielfaltssicherndes und Orientierung bietendes Gegengewicht zu marktwirtschaftlichen Anbietern behindern.

Hadamik kommt zu dem Schluss, dass das Verbot presseähnlicher Angebote, wonach der öffentlich-rechtliche Rundfunk verpflichtet wird, bei seinen Angeboten den Schwerpunkt auf Bewegtbild und Ton zu setzen, den verfassungsrechtlichen Anforderungen an eine funktionsgerechte Ausgestaltung des öffentlich-rechtlichen Auftrags im Internet nicht Rechnung trägt:

Das Bundesverfassungsgericht habe eine Unterbindung des publizistischen Wettbewerbs durch Programmverbote für öffentlich-rechtliche Anstalten als unangemessen bewertet, da private Anbieter keine hinreichende Meinungsvielfalt böten.
Die Fokussierung auf Bewegtbild und Ton werde zudem dem hybriden Charakter der Online-Kommunikation nicht gerecht. Das Verbot sei konträr zu den Nutzerbedürfnissen konzipiert.
Studien belegten, dass beispielsweise bei der Rezeption von Online-Nachrichten in allen Altersgruppen das Lesen von Texten sehr deutlich gegenüber dem Anschauen von Videos überwiegt.
Der Nutzer werde durch das Verbot presseähnlicher Angebote darin beschränkt, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unter den veränderten Rezeptionsbedingungen der Digitalisierung als vertrauenswürdige Alternative zu nutzen. Darin liege nicht nur eine Beschränkung der Wahlmöglichkeit des Nutzers. Dem Nutzer werde insoweit auch das Äquivalent für seinen Rundfunkbeitrag versagt, auf das er nach dem Rundfunkbeitragsurteil einen Anspruch hat.

Bleibe es bei der jetzigen Regelung, müsse diese, wie dies auch schon bei dem bisher geltenden Verbot presseähnlicher Angebote für notwendig erachtet wurde, im Wege verfassungskonformer Auslegung konkretisiert werden. In diesem Kontext komme der von den Rundfunkanstalten und den Spitzenverbänden der Presse nach dem 22. Rundfunkänderungsstaatsvertrag einzurichtende Schlichtungsstelle eine ganz besondere Bedeutung und Verantwortung zu, weil nach den Vorstellungen des Gesetzgebers Auslegungsfragen zum Verbot der Presseähnlichkeit in der Schlichtungsstelle geklärt werden sollen.
Dabei werde sehr darauf zu achten sein, dass Verständigungen zur Auslegung dieses Verbots transparent sind und sich im Rahmen einer verfassungskonformen Auslegung und Anwendung dieser Verbotsnorm bewegen.
Die vom Bundesverfassungsgericht vorgegebenen Anforderungen an eine vielfältige Kommunikationsordnung, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine tragende Rolle als vielfaltssicherndes Gegengewicht zu privatwirtschaftlichen Angeboten zuweisen, stehen – wie Hadamik anmahnt – nicht zur Disposition der hier verhandelnden Parteien.

Im Übrigen habe das Bundesverfassungsgericht im anhängigen Verfassungsbeschwerdeverfahren des Norddeutschen Rundfunks (NDR) gegen zivilgerichtliche Entscheidungen zu streitgegenständlichen Ausgestaltungen der Tagesschau-App und den ihr zugrunde liegenden Normen die Möglichkeit, mit Blick auf das Verbot der Presseähnlichkeit weitere Klarstellungen vorzunehmen.

Download des Vortragstextes (PDF, 662 KB)

Die Wahlberechtigten der Schweiz haben entschieden: Der dortige Rundfunkbeitrag wird beibehalten, dabei jedoch gleichwohl von 450 auf 365 sfr. gekürzt. Die Schweizer Debatte dauerte etwa ein halbes Jahr und wurde sehr intensiv geführt, wobei sich die Stimmung der Bevölkerung zunehmend drehte.

Eine Sonderausgabe von „Altpapier“, eine Rubrik des Medienmagazins 360G, das der Mitteldeutsche Rundfunk online betreibt, gibt einen schönen Überblick über die Reaktionen in der Schweiz und auch in Deutschland.

Zu den notwendigen Konsequenzen in Deutschland wird die Diskussion weitergeführt.

René Marten entwickelt in der ZEIT ausführliche Gedanken dazu. Ein beruhigendes Signal geht für ihn von der Schweizer Entscheidung nicht aus.

Der Handelsblatt-Autor Hans-Peter Siebenhaar formuliert ungewohnt sachlich, worum es in der politischen Debatte in Deutschland gehen solle: „um die Suche nach den inhaltlich und wirtschaftlich besten Lösungen, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk im digitalen Zeitalter so modernisiert werden kann, damit er seinen Auftrag nach Information, Bildung, Kultur und anspruchsvoller Unterhaltung mit der dringenden Notwendigkeit eines effektiven, sparsamen Medienunternehmens verbinden kann.“

Die nächste größere Debatte um den deutschen Rundfunkbeitrag ist ohnehin unausweichlich. Der KEF-Vorsitzende Fischer-Heidlberger erläutert in einem Interview sehr klar, dass für 2021 eine Beitragserhöhung um 1,70 € von der KEF empfohlen werden müsse, wenn nicht rechtzeitig, schon im Jahr 2019 ein veränderter Rundfunkauftrag von den Ländern formuliert würde.

Es ist offenkundig, dass es nicht nur um die Finanzierung gehen kann, sondern um Innovationen gehen muss, wenn die Akzeptanz des beitragsfinanzierten Rundfunks erhalten werden soll. Markus Heidmeier spitzt das in einem ZEIT-Beitrag zu:

Der Auftrag öffentlich-rechtlicher Medien ist in den vergangenen Jahrzehnten identisch geworden mit der Sicherung des Systems, das diesen Auftrag wahrnimmt: Wir brauchen sie, deshalb muss alles beim Alten bleiben.

In der Zwischenzeit geht es um die Formulierung eines angemessenen Telemedienauftrags für ARD und ZDF. Ein neuer Referentenentwurf scheint zumindest eine sprachliche Wende einzuleiten, indem dort das Wort „Presseähnlichkeit“ vermieden wird. Heftige Reaktionen der Zeitungsverleger und des Medienredakteurs der FAZ, Michael Hanfeld, erschienen bereits vor der Veröffentlichung des Entwurfs.

Der Justiziar des NDR, Michael Kühn, erläutert in einem sachlichen Beitrag zum Thema der Presseähnlichkeit, dass Online-Journalismus (zumal er weitgehend auf Smartphones genutzt wird) ohne Text nicht vorstellbar ist. Die Situation der Presseverlage ist durchaus schwieriger geworden, da ihre wachsenden Online-Einnahmen die Verluste aus dem Printgeschäft nicht ausgleichen. Zudem gibt es Online neben den Verlagen und dem Rundfunk noch andere Nachrichten-Anbieter, die zum Teil recht erfolgreich agieren. Die ARD hatte zur Wettbewerbssituation auf dem Informationsmarkt eine Studie des Medienforschungsunternehmens Goldmedia beauftragt.

 

Die Diskussion über den Auftrag, die Finanzierung und die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland hat 2017 eine noch nicht dagewesene Intensität erreicht. Die folgende Übersicht benennt die wichtigsten Themen und verlinkt die zugehörigen Texte und Videos. Der gesetzliche Auftrag, die Struktur der Rundfunkanstalten und die weitere Finanzierung durch den Rundfunkbeitrag werden 2018 ebenso Gegenstände neuer staatsvertraglicher Regelungen sein wie der für die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Systems entscheidende Telemedienauftrag.

WEITER ☞

Zu einem Mitte Mai von der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt veröffentlichten Entwurf der Rundfunkreferenten, mit der die Telemedienbestimmungen im Rundfunkstaatsvertrag „zeitgemäß fortentwickelt“ werden sollen, hat der IÖR eine Stellungnahme verfasst. Sie ist ein Beitrag zur Online-Konsultation, die zu diesem Entwurf ausgeschrieben wurde. Die Kurzfassung und eine ausführliche Fassung der Stellungnahme kann hier heruntergeladen werden.

Die Sitzung der IÖR im Reichard-Haus des WDR (Nato-Saal) beginnt am 27.06.2017 um 14:00 Uhr (Ende ca. 17:30 Uhr). Die Tagesordnung sieht vor:

  • Kurzberichte
  • Gastvortrag des Vorsitzenden der Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW, Prof. Dr. Werner Schwaderlapp. Die Themen sind: Netzneutralität – Plattformregulierung – Informations-Intermediäre und Rundfunklizenzen für Youtuber. Mit Diskussion.
  • Diskussion und Verabschiedung einer Stellungnahme zum Telemedienabschnitt im Rundfunkstaatsvertrag, der in einem Referentenentwurf enthalten ist. Die Stellungnahme soll der Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt bis zum 07.07.2017 vorliegen. Sie wird hier bald veröffentlicht.
  • Verschiedenes