{"id":1015,"date":"2024-04-02T14:45:27","date_gmt":"2024-04-02T12:45:27","guid":{"rendered":"https:\/\/ioer.org\/?p=1015"},"modified":"2024-04-02T17:49:38","modified_gmt":"2024-04-02T15:49:38","slug":"wandel-des-mediensystems","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioer.org\/?p=1015","title":{"rendered":"Wandel des Mediensystems"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Wie k\u00f6nnte eine demokratische Alternative zur Macht der digitalen Medienmonopole aussehen?<\/h2>\n\n\n\n<p><em>von Wolfgang Lieb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Seit 1989, als Tim Berners-Lee das World Wide Web erfunden hat, erleben wir einen grundlegenden Wandel des Mediensystems, der in seiner Qualit\u00e4t eigentlich nur noch mit der Erfindung des Buchdrucks zu vergleichen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar weichen die Angaben \u00fcber die Mediennutzung, \u00fcber die Reichweite und \u00fcber die Wirkung der einzelnen Medien je nach Untersuchung deutlich voneinander ab, aber die Tendenz ist eindeutig: Vor allem, wenn man auf die nachfolgenden Generationen schaut, verlieren die klassischen Medien, insbesondere die Zeitungen, aber auch das programmgebundene, lineare Radio und das das \u00f6ffentlich-rechtliche wie das private Fernsehen dramatisch an Bedeutung, zumal f\u00fcr die Verbreitung von Informationen, w\u00e4hrend das Medium Internet als Kommunikationsplattform sowohl im Hinblick auf<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>die Nutzungsm\u00f6glichkeiten,<\/li>\n\n\n\n<li>die Nutzungszeit als auch hinsichtlich<\/li>\n\n\n\n<li>des Meinungsbildungsgewichts kontinuierlich zunimmt,<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>ja inzwischen sogar die F\u00fchrungsrolle \u00fcbernommen hat.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Die Zeitungsverlage strangulieren sich selbst<\/h2>\n\n\n\n<p>Die t\u00e4gliche Auflage der Tageszeitungen ist von 27,2 Millionen seit anfangs der 90er Jahre auf 10,9 Millionen gesunken. <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/72084\/umfrage\/verkaufte-auflage-von-tageszeitungen-in-deutschland\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/72084\/umfrage\/verkaufte-auflage-von-tageszeitungen-in-deutschland\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Bei der auflagenst\u00e4rksten Zeitung, n\u00e4mlich von BILD\/BZ hat sich die t\u00e4gliche Auflage in den letzten 10 Jahren von 1,5 Millionen Zeitungen auf rund 823 Tausend Exemplaren nahezu halbiert. <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/221651\/umfrage\/entwicklung-der-auflage-der-bild-zeitung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/221651\/umfrage\/entwicklung-der-auflage-der-bild-zeitung\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die verkaufte Auflage der FAZ ging in der zur\u00fcckliegenden Dekade um rund 113.000 auf etwas \u00fcber 192.000 zur\u00fcck. <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/382146\/umfrage\/auflage-der-frankfurter-allgemeinen-zeitung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/382146\/umfrage\/auflage-der-frankfurter-allgemeinen-zeitung\/<\/a> Auch die S\u00fcddeutschen Zeitung (SZ) erlitt seit 2015 einen Auflagenr\u00fcckgang um mehr als 100.000 Exemplare und lag zuletzt bei t\u00e4glich rund 280.700 Exemplaren. <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/382110\/umfrage\/auflage-der-sueddeutschen-zeitung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/382110\/umfrage\/auflage-der-sueddeutschen-zeitung\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Axel Springers <em>Die Welt<\/em> verkauft sich an Werktagen nur noch zu knapp 36.000 Exemplare und liegt inzwischen hinter der taz. <a href=\"https:\/\/www.meedia.de\/marktdaten-medien\/zeitungs-ivw-bild-welt-bams-und-wams-rauschen-nach-unten-aed66fca30b42dc0a63512aa43186f2d\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.meedia.de\/marktdaten-medien\/zeitungs-ivw-bild-welt-bams-und-wams-rauschen-nach-unten-aed66fca30b42dc0a63512aa43186f2d<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In 40% der Kommunen droht ein Sterben der Lokalzeitungen. <a href=\"https:\/\/www.turi2.de\/community\/demokratie-ohne-lokale-medien-michael-konken-ueber-das-zeitungssterben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.turi2.de\/community\/demokratie-ohne-lokale-medien-michael-konken-ueber-das-zeitungssterben\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Derselbe Negativtrend besteht auch bei Nachrichtenmagazinen und Publikumszeitschriften.<br>Verkaufte der Spiegel 1995 noch \u00fcber eine Million Exemplare, so waren es 2023 nur noch etwas \u00fcber 700 Tausend. Noch dramatischer b\u00fc\u00dfte seit Mitte der 90er Jahre der Focus an Auflage ein, n\u00e4mlich von 715.500 Exemplaren auf 237.100 und der Stern sackte von 1,25 Millionen auf 310.400 Exemplare ab. <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/164386\/umfrage\/verkaufte-auflagen-von-spiegel-stern-und-focus\/#:~:text=Von%20den%20drei%20gro%C3%9Fen%20Nachrichtenmagazinen,von%20rund%20237.100%20Exemplaren%20verzeichnen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/164386\/umfrage\/verkaufte-auflagen-von-spiegel-stern-und-focus\/#:~:text=Von%20den%20drei%20gro%C3%9Fen%20Nachrichtenmagazinen,von%20rund%20237.100%20Exemplaren%20verzeichnen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Bei den Printerzeugnissen h\u00e4lt einzig der Buchmarkt einigerma\u00dfen seine Stellung. Die Anzeigen- und Beilagenums\u00e4tze, vor allem die Werbeums\u00e4tze der Zeitungen haben sich innerhalb der letzten Dekade halbiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Nimmt man, wie etwa der K\u00f6lner Medienwissenschaftler <em>Martin Andree<\/em>, die Werbung als Indikator f\u00fcr die Bedeutung der verschiedenen Medien, dann sind seit 2020 die digitalen Medien zu den Leitmedien geworden und er prognostiziert, dass diese in f\u00fcnf Jahren drei Viertel aller Webeeinahmen auf sich ziehen werden. (BigTech muss weg, 2023)<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar hat sich die Auflage der sog. E-Paper seit 2011 auf insgesamt 2,5 Millionen verzwanzigfacht, <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/313082\/umfrage\/e-paper-auflagen-der-zeitungen-nach-gattungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/313082\/umfrage\/e-paper-auflagen-der-zeitungen-nach-gattungen\/<\/a> die Vertriebserl\u00f6se der digitalen Zeitungen k\u00f6nnen jedoch \u2013 bisher jedenfalls \u2013 die sinkenden Erl\u00f6se bei den meisten gedruckten Zeitungen nicht kompensieren und liegen insgesamt betrachtet noch im einstelligen Prozentbereich der Gesamterl\u00f6se der Verlage. <a href=\"https:\/\/www.medienpolitik.net\/2021\/07\/tageszeitungen-sind-immer-schwieriger-zu-finanzieren\/?utm_source=CleverReach&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=28-07-2021+Tageszeitungen+sind+immer+schwieriger+zu+finanzieren&amp;utm_content=Mailing_12912358\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.medienpolitik.net\/2021\/07\/tageszeitungen-sind-immer-schwieriger-zu-finanzieren\/?utm_source=CleverReach&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=28-07-2021+Tageszeitungen+sind+immer+schwieriger+zu+finanzieren&amp;utm_content=Mailing_12912358<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Gegen die weit verbreitete <em>Kostenlos-Mentalit\u00e4t<\/em> der Internet-Nutzer haben es bezahlpflichtige Angebote noch schwer.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur noch die H\u00e4lfte der lesef\u00e4higen Bev\u00f6lkerung greift t\u00e4glich zu einer gedruckten Zeitung. Nur noch jeder F\u00fcnfte (n\u00e4mlich 21 %) nutzt Printmedien als Nachrichtenquelle. Und die Zeit, die f\u00fcr die Lekt\u00fcre aufgebracht wird, ist kontinuierlich zur\u00fcckgegangen. <a href=\"https:\/\/reutersinstitute.politics.ox.ac.uk\/sites\/default\/files\/2020-06\/DNR_2020_FINAL.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/reutersinstitute.politics.ox.ac.uk\/sites\/default\/files\/2020-06\/DNR_2020_FINAL.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Je kleiner die Auflagen der Zeitungen, desto geringer die Werbeeinnahmen, desto kleiner die Redaktionen, desto weniger tiefsch\u00fcrfend die Berichterstattung, desto geringer die journalistische Qualit\u00e4t und \u2013 im Ergebnis \u2013 desto gr\u00f6\u00dfer der Verlust an Glaubw\u00fcrdigkeit und damit wiederum der Verlust an verkaufter Auflage.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein aktuelles Demokratie-Monitoring der Universit\u00e4t Hohenheim hat ermittelt, dass ein F\u00fcnftel bis ein Viertel der Bundesb\u00fcrger meinen, dass sie von den klassischen Massenmedien systematisch belogen werden, dass die Medien und die Politik Hand in Hand arbeiten und nur das bringen, was die Herrschenden vorgeben, um die Bev\u00f6lkerung zu manipulieren. <a href=\"https:\/\/www.medienpolitik.net\/aktuelle-themen\/ein-viertel-der-bevoelkerung-misstraut-massenmedien-425\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.medienpolitik.net\/aktuelle-themen\/ein-viertel-der-bevoelkerung-misstraut-massenmedien-425<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Nebenbei bemerkt: Unter den AfD-Anh\u00e4ngern sind sogar um die 80 Prozent dieser Meinung. Die <em>L\u00fcgenpresse<\/em>-Vorw\u00fcrfe sind im Osten Deutschlands sogar noch verbreiteter als im Westen.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der negativen Nachrichtenlage l\u00e4sst sich dar\u00fcber hinaus aktuell beobachten, dass ein immer gr\u00f6\u00dfer werdender Teil der Bev\u00f6lkerung sich von Informationen abwendet und sich ins Private zur\u00fcckzieht. Mit dieser <em>News Avoidance<\/em> \u2013 wie das neudeutsch hei\u00dft &#8211; k\u00f6nnte das gemeinsam geteilte WIR in der Gesellschaft schwinden. <a href=\"http:\/\/bruchstuecke.info\/2024\/01\/01\/nachrichten-meiden-viele-ursachen-vielfaeltige-auswirkungen\/#more-11388\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/bruchstuecke.info\/2024\/01\/01\/nachrichten-meiden-viele-ursachen-vielfaeltige-auswirkungen\/#more-11388<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wir erleben einen \u2013 wie der Chef des Instituts der Deutschen Wirtschaft, <em>Michael H\u00fcther<\/em>, es nannte \u2013 schleichenden \u201eAbschied von der \u00d6ffentlichkeit\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeitungsverlage sind dabei, sich selbst zu strangulieren. Dabei w\u00e4re &#8211; wie das fr\u00fchere Mitglied der Chefredaktion der S\u00fcddeutschen Zeitung, <em>Heribert Prantl<\/em>, zurecht meint &#8211; die gro\u00dfe Frage nicht, wie schafft man Klicks, Reichweite, Auflage? Die entscheidende Frage laute vielmehr: Wie schafft man Vertrauen? Dann k\u00e4men auch wieder Klicks, Reichweite und Auflage. (Prantls Blick v. 20.09.2020)<\/p>\n\n\n\n<p>In vielen europ\u00e4ischen Staaten gibt es inzwischen eine direkte oder indirekte Pressef\u00f6rderung, etwa \u00fcber eine F\u00f6rderung des Vertriebs oder einen reduzierten Mehrwertsteuersatzes. Die in Deutschland geplante F\u00f6rderung der digitalen Transformation des Verlagswesens konnte bislang jedoch noch nicht umgesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Gro\u00dfes Vertrauen in das \u00f6ffentlich-rechtliche Fernsehen<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach vielen Umfragen haben um die 70 Prozent der Befragten noch immer Vertrauen in das \u00f6ffentlich-rechtliche Fernsehen als Institution und etwa genauso viele halten die Programme f\u00fcr glaubw\u00fcrdig. <a href=\"https:\/\/leibniz-hbi.de\/uploads\/media\/Publikationen\/cms\/media\/k3u8e8z_AP63_RIDNR22_Deutschland.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/leibniz-hbi.de\/uploads\/media\/Publikationen\/cms\/media\/k3u8e8z_AP63_RIDNR22_Deutschland.pdf<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p>Dabei erreichten im letzten Jahr das ZDF einen Marktanteil von 14,6 Prozent, die Dritten Programme der ARD zusammengenommen einen Anteil von 13,8 Prozent, das Erste einen Anteil von 11,9 Prozent. Mit Abstand folgen RTL mit 10 Prozent, Vox gleichauf mit Sat.1 mit 4,7 Prozent, ProSieben mit 3,0 Prozent Marktanteil. <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/214350\/umfrage\/marktanteile-der-tv-sender-in-deutschland\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/214350\/umfrage\/marktanteile-der-tv-sender-in-deutschland\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl \u00fcber 80 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk unverzichtbar sei und einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung leiste, w\u00fcrden inzwischen 42 Prozent der B\u00fcrger den Rundfunkbeitrag nicht freiwillig bezahlen. (Haubrich, R. Wie divers ist die ARD? in Die Welt v. 12.11.2020, S. 3)<\/p>\n\n\n\n<p>Weitaus weniger glaubw\u00fcrdig werden die Informationen in sozialen Netzwerken eingesch\u00e4tzt, YouTube erreicht hinsichtlich der Glaubw\u00fcrdigkeit noch den h\u00f6chsten Wert von 18 Prozent. Nur noch einstellige Prozentzahlen bei der Frage nach der Glaubw\u00fcrdigkeit schaffen Twitter (neuerdings in X umbenannt), Facebook oder Instagram. <a href=\"https:\/\/presse.wdr.de\/plounge\/wdr\/unternehmen\/2020\/10\/20201012_glaubwuerdigkeitsstudie.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/presse.wdr.de\/plounge\/wdr\/unternehmen\/2020\/10\/20201012_glaubwuerdigkeitsstudie.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Dem gro\u00dfen Vertrauensbonus des Fernsehens steht allerdings geradezu ein \u201eGenerationsabriss\u201c bei der Nutzung gegen\u00fcber<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Mehrheit der Zuschauer des \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehens ist \u00fcber 65 Jahre alt. (Plickert, P. in der FAZ 7.1.2019, S. 16)<\/p>\n\n\n\n<p>Das Fernsehen bleibt zwar das Informationsmedium mit der h\u00f6chsten Tagesreichweite, bei den unter 50-J\u00e4hrigen wurde es allerdings schon vom Internet \u00fcberholt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Hinblick auf die Bedeutung bei der Mediennutzung hat das Internet das Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Fernsehen sogar schon gewonnen. F\u00fcr nur noch 28,7 Prozent der 14- bis 29-J\u00e4hrigen ist lineares (das hei\u00dft programmgebundenes, zur selben Zeit gesendetes und empfangenes) Fernsehen wichtig, f\u00fcr mehr als die H\u00e4lfte dieser Altersgruppe, n\u00e4mlich 55,8 Prozent ist Video-on-Demand am wichtigsten.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche sprechen \u2013 jedenfalls im Unterhaltungsbereich &#8211; sogar von einer <em>Kannibalisierung<\/em> des linearen Fernsehens durch die Streaming-Dienste &#8211; vor allem beim j\u00fcngeren Publikum.<\/p>\n\n\n\n<p>38 Prozent, also nahezu 4 von 10 Menschen ab 14 Jahren, geben an, dass ihnen das Internet am wichtigsten ist, um sich \u00fcber das Zeitgeschehen in Deutschland und aller Welt zu informieren. <a href=\"https:\/\/www.die-medienanstalten.de\/publikationen\/vielfaltsbericht?tx_news_pi1%5Bnews%5D=5077&amp;cHash=ae9e630d7bad5eca3086aea98ac0df5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.die-medienanstalten.de\/publikationen\/vielfaltsbericht?tx_news_pi1%5Bnews%5D=5077&amp;cHash=ae9e630d7bad5eca3086aea98ac0df5<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dabei werden nat\u00fcrlich nicht nur origin\u00e4re Onlineangebote genutzt, sondern auch Angebote der klassischen Anbieter. Aber gut 30 Prozent der 14- bis 24-J\u00e4hrigen erreichen journalistische Angebote \u00fcber das aktuelle Weltgeschehen kaum noch.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren liegt die Quote dieser &#8222;gering Informationsorientierten&#8220; laut einer im letzten Herbst ver\u00f6ffentlichten Studie des Hans-Bredow-Instituts bei sogar bei 45 Prozent. <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Mediennutzung-Ein-Drittel-der-Heranwachsenden-guckt-lieber-TikTok-Co-9347565.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.heise.de\/news\/Mediennutzung-Ein-Drittel-der-Heranwachsenden-guckt-lieber-TikTok-Co-9347565.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Jugendlichen bevorzugen unterhaltende Inhalte und Themen die sie pers\u00f6nlich tangieren. TikTok inzwischen als Hauptquelle, gefolgt von Instagram und YouTube statt Tagesschau sind angesagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Hintergrund, dass eine funktionierende und lebendige Demokratie auf informierte B\u00fcrgerinnen angewiesen ist, sollte es Anlass zur Besorgnis sein, dass eine tiefe Informationskluft zwischen der nachwachsenden Generation und den \u00c4lteren zu beobachten ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Angesichts dieses hier nur kurz skizzierten Wandels im Medienkonsum stellt sich die Frage, ob das Internet, die klassischen Medien erg\u00e4nzen oder gar ersetzen kann?<\/h2>\n\n\n\n<p>Meine kurze Antwort ist: Erg\u00e4nzen nur teilweise ja, ersetzen &#8211; bisher jedenfalls \u2013 nein!<br>Richtig ist: Durch das Internet bleiben wir mit beliebig vielen Menschen in Kontakt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen Sprachmeldungen, Bilder und Videos austauschen und zeitgleich empfangen. Wir erhalten Informationen und wir k\u00f6nnen recherchieren in einem Umfang wie nie zuvor. Wir k\u00f6nnen unser Wissen verbreitern und verbreiten, wir k\u00f6nnen uns Kampagnen anschlie\u00dfen und politischen Druck aus\u00fcben und f\u00fcr Meinungen werben. Nie zuvor war es so einfach, an eine so gro\u00dfe F\u00fclle von Informationen und Medieninhalten weltweit und jederzeit zu gelangen, wie heute. Durch den Einsatz von K\u00fcnstlicher Intelligenz (KI) werden diese Angebote sogar noch deutlich erh\u00f6ht.<\/p>\n\n\n\n<p>Solche gro\u00dfartigen Potentiale sind nach wie vor gegeben und all die schlechten Dinge, an denen man sich st\u00f6rt und die einen besorgt machen m\u00fcssen, liegen nicht in der Technik. \u201eSie sind absichtlich eingebaut\u201c sagt der Medienjournalist <em>Michael Moorstedt<\/em>. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/soziale-netzwerke-propaganda-bots-netzkolumne-1.6298524\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/soziale-netzwerke-propaganda-bots-netzkolumne-1.6298524<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Im Netz gibt es nach groben Sch\u00e4tzungen allein in Deutschland etwa 200.000 Blogs<\/h2>\n\n\n\n<p>(Blogs das sind \u00f6ffentlich einsehbare, h\u00e4ufig nicht-professionelle, aber h\u00e4ufig auch journalistische Tagebucheintr\u00e4ge mit einem eigenen Internetauftritt.) Solche Blogs werden monatlich etwa 800 Millionen Mal aufgerufen. <a href=\"https:\/\/buggisch.wordpress.com\/2016\/02\/23\/wie-viele-blogs-gibt-es-in-deutschland\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/buggisch.wordpress.com\/2016\/02\/23\/wie-viele-blogs-gibt-es-in-deutschland\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus gibt es eine nicht mehr \u00fcberschaubare Zahl an sog. <em>Influencern<\/em>. Das sind \u00fcberwiegend j\u00fcngere Personen, die meist eines der gro\u00dfen sozialen Netzwerke nutzen, um Lebensstile, Sch\u00f6nheitspflege, Mode, Hobbys oder Produkte anzupreisen. Diese Influencer haben oft hundertausende Zugriffe. Das Video von Rezo mit dem Titel \u201eDie Zerst\u00f6rung der CDU\u201c vor der letzten Europa-Wahl wurde z.B. 16 Millionen Mal aufgerufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den nach wie vor reichweitenst\u00e4rksten professionell- journalistischen Webangeboten (also etwa bild.de oder Spiegel.de), gibt es eine gro\u00dfe Zahl sog. <em>alternativer Medien<\/em>, die h\u00e4ufig an den R\u00e4ndern des politischen Spektrums liegende Inhalte ihrem Publikum anbieten. Wie z.B. <em>Tichys Einblick<\/em>, die <em>Achse des Guten<\/em> auf der rechten politischen Seite oder auf der eher linken Seite etwa die <em>Nachdenkseiten<\/em>, die ich &#8211; bis sie in die eher verschw\u00f6rungserz\u00e4hlende Ecke abgedriftet sind &#8211; bis 2015 selbst mit herausgegeben habe.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil der Internetkommunikation findet in den <em>Sozialen Medien<\/em> statt<\/h2>\n\n\n\n<p>Neben solchen Blogs oder eigenst\u00e4ndigen Websites findet allerdings der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil der Internetkommunikation in den <em>Sozialen Medien<\/em> (man sagt auch <em>Social Media<\/em>) statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Soziale Medien reichen von <em>Instagram<\/em> \u00fcber das chinesische <em>TikTok<\/em> oder <em>Facebook<\/em> bis hin zu den Kurzmitteilungsdiensten, den sog. Instant Messengers, also dem seit der \u00dcbernahme von <em>Elon Musk<\/em> im Niedergang befindlichen Kurz-Nachrichtendienst <em>Twitter<\/em>, alias <em>X<\/em>, \u00fcber <em>WhatsApp<\/em> oder <em>Signal<\/em>, bei dem der Betreiber keinerlei Zugriff auf Nutzerdaten hat, bis hin zu den Videoportalen, wie etwa <em>YouTube<\/em>. Hinzugekommen ist auch der in Russland gegr\u00fcndete Messenger <em>Telegram<\/em>. Der in Dubai ans\u00e4ssige Dienst hat 700 Millionen aktive Nutzer und wird als vermeintlich sicherer Dienst gerne von Rechtsextremen, Umst\u00fcrzlern, Holocaustleugnern und Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlern genutzt. Neu hinzu gekommen sind die Microblogging-Dienste <em>Mastodon<\/em>, <em>Bluesky<\/em> oder <em>Threads<\/em> von Zuckerbergs Meta- Konzern.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier nur soviel: Insgesamt nutzen mehr als 50 Millionen Deutsche Soziale Medien \u2013 das entspricht 89 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer. <a href=\"https:\/\/www.medienpolitik.net\/aktuelle-themen\/aktuelle-themen\/facebook-wird-es-auch-in-20-jahren-noch-geben-492\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.medienpolitik.net\/aktuelle-themen\/aktuelle-themen\/facebook-wird-es-auch-in-20-jahren-noch-geben-492<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Sechs von zehn Personen nutzen t\u00e4glich <em>WhatsApp<\/em>, genauso viele, n\u00e4mlich 60% nutzen t\u00e4glich <em>Google<\/em>, \u00fcber ein Drittel <em>YouTube<\/em> (35%), fast jeder Vierte <em>Facebook<\/em> (23%) und gut jeder F\u00fcnfte <em>Instagram<\/em> (22%). <a href=\"https:\/\/www.ard-media.de\/fileadmin\/user_upload\/media-perspektiven\/pdf\/2023\/MP_23_2023_Onlinestudie_2023_Fortschreibung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.ard-media.de\/fileadmin\/user_upload\/media-perspektiven\/pdf\/2023\/MP_23_2023_Onlinestudie_2023_Fortschreibung.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Aspekt der Meinungsbildung werden Soziale Netzwerke unter dem Oberbegriff <em>Intermedi\u00e4re<\/em> zusammengefasst. Sieben von zehn Personen ab 14 Jahren nutzen sie t\u00e4glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Medienintermedi\u00e4ren sind zu wichtigen Verbreitungsplattformen s\u00e4mtlicher sonstiger Medien- oder Informationsanbieter und damit zu zunehmend wirkm\u00e4chtigen Meinungsmultiplikatoren geworden. (D\u00f6rr, D. <a href=\"https:\/\/verfassungsblog.de\/die-meinungsmacht-der-intermediaere\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/verfassungsblog.de\/die-meinungsmacht-der-intermediaere\/<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vision des Internets, also das Bild von Offenheit und der Vernetzung in einer freien, nicht-kommerziellen Informationsgesellschaft wurde leider nie Wirklichkeit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Vom freien Informationsfluss im Netz kann keine Rede sein.<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Kontrolle \u00fcber die verbreiteten Inhalte liegt nicht bei den Nutzern, sondern bei den Betreibern sozialer Netzwerke. Internetdienstanbieter sind nicht neutral. Es bleibt verborgen, dass die <em>geposteten<\/em> Inhalte vor allem aufgrund von geheim gehaltenen Sortier- und Suchalgorithmen der Internetdienstleister gesteuert werden. Solche &#8211; den Betriebsgeheimnissen der Tech-Giganten unterliegenden &#8211; Computer-Rechenprogramme kategorisieren, filtern und hierarchisieren die Angebote \u2013 milliardenfach und in Bruchteilen von Sekunden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber das Such- oder Klickverhalten wird nachverfolgt: Welche Netzinhalte vom Benutzer gesucht werden und welche ihm wichtig erscheinen, all das wird gespeichert. Basierend auf diesen Daten entscheiden die geheim gehaltenen Algorithmen der Intermedi\u00e4ren personalisiert, welche Inhalte bestimmte Nutzer in welcher Reihenfolge zu sehen bekommen. Der Habermas`sche <em>Strukturwandel der \u00d6ffentlichkeit<\/em> erlebt eine neue Qualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Leitwerte &#8211; wie Orientierung an der Wahrheit oder gesellschaftliche Integration &#8211; spielen dabei keine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Intermedi\u00e4ren sind, \u00e4hnlich wie die klassischen Medien, zu virtuellen Redaktionen und haben die Zeitungen und den Rundfunk als <em>Gatekeeper<\/em>, also als Torw\u00e4chter der ver\u00f6ffentlichten Meinung abgel\u00f6st. <a href=\"https:\/\/verfassungsblog.de\/die-meinungsmacht-der-intermediaere\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/verfassungsblog.de\/die-meinungsmacht-der-intermediaere\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Was in die News-Feeds oder Push-Nachrichten, also die Nachrichten, die von ausgew\u00e4hlten Kontakten automatisch angesp\u00fclt werden oder was in den Trefferlisten von Suchanfragen in Suchmaschinen an den ersten Pl\u00e4tzen steht, wird h\u00e4ufig unreflektiert als wahr und als nach vermeintlich objektiven Kriterien relevant eingeordnet. Vielen Nutzern ist das Wirken der algorithmischen Sortierfunktionen nicht bewusst.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens seit den Enth\u00fcllungen des ehemaligen CIA-Mitarbeiters <em>Edward Snowden<\/em> m\u00fcssten eigentlich alle wissen, dass die gewonnene Freiheit der Information mit einem Verlust an Anonymit\u00e4t und einer neuen privaten und\/oder staatlichen Macht \u00fcber pers\u00f6nliche Daten erkauft wird. Die angeblich <em>kostenfreien<\/em> Internet-Dienste von <em>Facebook<\/em> und Co. sind vor allem auch Datenkraken, die mit dem Sammeln und dem Verkauf von Nutzerdaten Milliarden an Gewinnen machen.<\/p>\n\n\n\n<p>In China gibt es die ersten Modellversuche wie Online-Daten nicht nur zur umfassenden \u00dcberwachung genutzt werden k\u00f6nnen, sondern &#8211; \u00fcber ein Sozialpunkte-System &#8211; das soziale Verhalten der B\u00fcrger bewertet und mit Sanktionen oder Verg\u00fcnstigungen gesteuert werden soll. Auch im Westen gibt es sog. Safe Cities.<\/p>\n\n\n\n<p>Was in China der Staat betreibt, machen in der westlichen Welt private Internetgiganten. Nahezu alle Dienste waren oder sind in Datenskandale verwickelt. <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2018\/whistleblower-kritisiert-facebook-in-cambridge-analytica-skandal-sie-attackieren-attackieren-attackieren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/netzpolitik.org\/2018\/whistleblower-kritisiert-facebook-in-cambridge-analytica-skandal-sie-attackieren-attackieren-attackieren\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Und: Was oft vergessen wird: Nach dem Cloud Act und dem Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA) sind die amerikanischen Tech-Unternehmen zur Herausgabe ihrer Daten an die Geheimdienste verpflichtet. <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Die-Zukunft-des-Internets-4916527.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Die-Zukunft-des-Internets-4916527.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Harvard-\u00d6konomin Soshana Zuboff hat daf\u00fcr zurecht den passenden Begriff <em>\u00dcberwachungskapitalismus<\/em> eingef\u00fchrt. <a href=\"https:\/\/taz.de\/25-Jahre-Le-Monde-diplomatique\/!5677785\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/taz.de\/25-Jahre-Le-Monde-diplomatique\/!5677785\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>(Auf die Militarisierung des Internets und die Cyberkriminalit\u00e4t will ich hier nicht weiter eingehen.)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Internet als Einfallstor f\u00fcr Manipulatoren<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Tatsache, dass die Internetdienste besser \u00fcber einen Bescheid wissen, als man vielleicht selbst \u00fcber sich wei\u00df \u2013 jedenfalls als man sich bewusst macht &#8211; kann nicht nur f\u00fcr Werbezwecke ausgebeutet werden, die M\u00f6glichkeit zur personalisierte Zielgruppenansprache, kann auch f\u00fcr Propaganda, bis hin zu Wahlmanipulationen missbraucht werden. Das Internet kann so zu einem Einfallstor f\u00fcr Manipulatoren und f\u00fcr Meinungsbeeinflusser werden. (Hegelich, S. <a href=\"https:\/\/www.kas.de\/documents\/252038\/253252\/7_dokument_dok_pdf_46486_2.pdf\/04db80c6-543e-40ff-23e7-03cc44fe6766?version=1.0&amp;t=1539650238695\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.kas.de\/documents\/252038\/253252\/7_dokument_dok_pdf_46486_2.pdf\/04db80c6-543e-40ff-23e7-03cc44fe6766?version=1.0&amp;t=1539650238695<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Eine noch ziemlich harmlose Variante einer solchen Stimmungsmache, ist etwa der relativ preiswerte Kauf von <em>Likes<\/em> auf <em>Facebook<\/em>. Zu den Meinungsmachern z\u00e4hlen sog. <em>Trolle<\/em> oder ganze Trollfabriken, die sich In Diskussionsforen, Newsgroups, Chatrooms, Mailinglisten oder in Blogs einmischen und provozieren, Wut und Hass sch\u00fcren oder in eine bestimmte (politische) Richtung zu lenken versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt auch automatisierte <em>Trolls<\/em>, also von Computern erzeugte k\u00fcnstliche Identit\u00e4ten (sog. Robots), die in Netzwerken wie Twitter oder Facebook massenhafte Zustimmung oder Ablehnung von Meinungen vort\u00e4uschen. <em>Robots<\/em> oder kurz <em>Bots<\/em> k\u00f6nnen durch ihre schiere Masse gesellschaftliche Debatten beeinflussen. Im Umfeld der letzten Pr\u00e4sidentschaftswahlen in den USA sollen bei Twitter 400.000 Bots im Einsatz gewesen sein, um die TV-Debatten zu beeinflussen. <a href=\"https:\/\/www.reframetech.de\/2017\/06\/28\/fast-alles-was-man-ueber-digitale-oeffentlichkeit-wissen-muss\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.reframetech.de\/2017\/06\/28\/fast-alles-was-man-ueber-digitale-oeffentlichkeit-wissen-muss\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>So gro\u00df die \u00c4ngste &#8211; zumal der Deutschen &#8211; vor der Sammlung von Daten im Internet sind, so wenig schl\u00e4gt sich das im Nutzerverhalten nieder. Man kann hier ein digitales Paradoxon beobachten, d.h. obwohl die Vertraulichkeit von pers\u00f6nlichen Daten von Vielen sehr wichtig eingestuft wird, findet die Nutzung von Internetdienstleistungen weitgehend sorglos statt. Und aus Faulheit stimmt man meist schnell allen \u201eKeksen\u201c, also den <em>Cookies<\/em> zu, die Angaben zur Sprache, Seiteneinstellungen, Surfgewohnheiten zwischenspeichern und an den Betreiber der Internetseite weitergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr und mehr wird den Internet-Nutzern bewusst, dass, wenn etwas nichts kostet, der Nutzer das Produkt ist. Das Betriebsmodell ist das der Beobachtung und dem gesch\u00e4ftlichen Nutzen des Verhaltens der Nutzer. Die Online-Pr\u00e4senz wird zur handelbaren Ware.<\/p>\n\n\n\n<p>Facebook sei &#8222;ein Werbenetzwerk unter einer altruistischen Tarnung&#8220; sagt der ehemalige Chefredakteur von netzpolitik.org. <em>Markus Beckedahl<\/em>. <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/viele-unbeantwortete-fragen-11675050.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.fr.de\/kultur\/viele-unbeantwortete-fragen-11675050.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die sozialen Netzwerke haben zwar anfangs der zwanziger Jahre etwas an B\u00f6rsenwert verloren sie sind jedoch nach wie vor die gr\u00f6\u00dften Werbeagenturen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Sch\u00e4tzungen der Boston Consulting Group soll der Handelswert pers\u00f6nlicher Daten allein im Jahr 2020 rd. 330 Milliarden Euro betragen haben. <a href=\"https:\/\/okfn.de\/files\/blog\/2017\/06\/OKF-Der-Wert-pers%C3%B6nlicher-Daten.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/okfn.de\/files\/blog\/2017\/06\/OKF-Der-Wert-pers%C3%B6nlicher-Daten.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Nach Angaben von <em>Pioneer Briefing<\/em> (v. 28.11.2023) \u00fcbertraf die Marktkapitalisierung der Big Five im Sommerquartal 2022 das Gesamtkapital aller DAX 40 Unternehmen zusammen um das Sechsfache und deren Profite um das Vierfache. <em>Alphabet<\/em> erwirtschaftete in einem Jahr soviel Profit wie <em>Bertelsmann<\/em> in 66 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz der riesigen Gewinne sind diese bestverdienenden Konzerne mit die schlechtesten Steuerzahler. Die Konzerne verschieben ihre Gewinne in die USA, nach Irland oder in die Niederlande und verbuchen nur einen sehr kleinen Teil ihrer Gewinne bei uns in Deutschland. Mit Steuers\u00e4tzen von 7 bis 15 Prozent zahlen sie dort weniger als die H\u00e4lfte von dem, was in Deutschland an Steuern f\u00e4llig werden w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tech-Konzerne haben durch ihre enormen Ressourcen unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viele M\u00f6glichkeiten, Politik in ihrem Sinne zu beeinflussen. Die Branche gab nach Angaben von Lobbycontrol 2022 etwa 113 Millionen f\u00fcr Lobbyarbeit allein in Br\u00fcssel aus. (Bergt, S., taz v.11.09.2023, S.8)<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Lobbyarbeit bedroht demokratische Prozesse.<br>Au\u00dferdem f\u00f6rdern diese Konzerne in gro\u00dfem Umfang konzernfreundliche Forschung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Soziale Netzwerke als Informations-Oligopole<\/h2>\n\n\n\n<p>Soziale Netzwerke sind dar\u00fcber hinaus zu Informations-Oligopolen geworden und sie beherrschen das Internet. Der Philosoph <em>Boris Groys<\/em> spricht von einem &#8222;digitalen Feudalismus&#8220;. (S\u00fcddeutsche Zeitung v. 7.12.202, S.11) Wenn man genauer anschaut, was tats\u00e4chlich genutzt wird, dann sind es fast ausschlie\u00dflich die US-amerikanischen Digitalkonzerne. Fairer und freier Wettbewerb sei abgeschafft. Die angebliche Vielfalt im Netz sei eine \u201eFata Morgana\u201c, stellt der K\u00f6lner Medienwissenschaftler <em>Martin Andree<\/em> in seinem Buch <em>BigTech muss weg!<\/em> (Frankfurt a.M. 2023) fest.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Internetzugang wird in der westlichen Welt von den <em>Big Five<\/em> er\u00f6ffnet, n\u00e4mlich von <em>GAFAM<\/em> (n\u00e4mlich G wie <em>Google<\/em>, A wie <em>Amazon<\/em>, F wie <em>Facebook<\/em>, A wie <em>Apple<\/em> und M wie <em>Microsoft<\/em>). Die <em>sozialen Medien<\/em> werden von <em>FANG<\/em> (also von <em>Facebook<\/em>, <em>Amazon<\/em>, <em>Netflix<\/em>, <em>Google<\/em>) dominiert. Inzwischen m\u00fcsste man das berufliche Netzwerk <em>Linkedin<\/em> von <em>Microsoft<\/em> oder die vom chinesischen <em>ByteDance<\/em>-Konzern betriebene Plattform <em>TikTok<\/em> hinzuf\u00fcgen. W\u00e4hrend <em>X<\/em>, fr\u00fcher <em>Twitter<\/em> seit dem Kauf von <em>Elon Musk<\/em> deutliche Einbu\u00dfen, vor allem auch bei den Werbeinnahmen hinnehmen muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem Suchmaschinen-Marktanteil von \u00fcber 90 Prozent beherrscht <em>Google<\/em> den Zugang zu den Netzinhalten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Amazon<\/em> hat nicht nur einen Anteil von 56 Prozent am gesamten Online-Handel, <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/infografik\/22272\/anteil-von-amazon-an-den-einzelhandelsumsaetzen-in-deutschland\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/de.statista.com\/infografik\/22272\/anteil-von-amazon-an-den-einzelhandelsumsaetzen-in-deutschland\/<\/a> sondern beherrscht mit einem Drittel den Markt beim Cloud Computing, also bei externen Speicherpl\u00e4tzen f\u00fcr Rechen- oder Dienstleistungen. <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/150979\/umfrage\/marktanteile-der-fuehrenden-unternehmen-im-bereich-cloud-computing\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/150979\/umfrage\/marktanteile-der-fuehrenden-unternehmen-im-bereich-cloud-computing\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Unter den 20 gr\u00f6\u00dften Digitalkonzernen der Welt gibt es kein einziges europ\u00e4isches Unternehmen. Die Tech-Giganten sind nicht Spielball der M\u00e4rkte, sondern umgekehrt sind die M\u00e4rkte Spielball der Giganten geworden. (The Pioneer Briefing Economy Edition v. 28.11.2023)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Eine Hand voll Monopole beherrscht das Internet<\/h2>\n\n\n\n<p>Der <em>Atlas der digitalen Welt<\/em>, der am Institut fu\u0308r Medienkultur und Theater an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln erarbeitet worden ist, zeige, dass sich die Internetnutzung zu 70 Prozent auf eine Hand voll Monopole konzentriere, und der u\u0308brige Rest des Internets nur noch ein riesiger &#8222;Friedhof&#8220; sei. Die f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften Blogs erreichten eine Reichweite von gerade mal etwas mehr als einem Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst finanzstarke globale Markenkonzerne h\u00e4tten mit ihren Internetauftritten keine Chance sich gegen die schwarzen L\u00f6cher der Plattformen zu behaupten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nimmt man die Nutzungsdauer als Gradmesser so erzielten alle Inhalte des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks an Media-on-Demand zusammengenommen einen Anteil von gerade mal etwa 4 Prozent. Der Anteil an der gesamten Mediennutzung ist logischerweise noch viel geringer und betrage nur noch l\u00e4cherliche 1 Prozent. (Siehe dazu Martin Andree, a.a.O.)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Die \u201eKalifornische Ideologie\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Hauptberater der EU-Kommission in der Generaldirektion Justiz, <em>Paul Nemitz<\/em>, der schon die Datenschutzgrundverordnung ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt hat, spricht von einer \u201eKalifornischen Ideologie\u201c, n\u00e4mlich dem Glauben, dass sich alle Probleme durch Technik l\u00f6sen lassen und vor allem, dass diese Technik alle Probleme besser l\u00f6st als die Politik.<br>Diese Ideologie sei unvereinbar mit den Grundwerten von Freiheit und Demokratie.<\/p>\n\n\n\n<p><em>GAFAM<\/em> z\u00fcchteten eine Kultur der Missachtung der Institutionen der Demokratie, ja noch mehr: eine Verachtung der Demokratie. Da werde suggeriert nur die Selbstregulierung der Akteure und der Markt seien wirksame Mittel, um Ziele zu erreichen, die dem Gemeinwohl dienen, und deshalb sei jeder Eingriff in den Markt und jede Regulierung des Internets durch Gesetze abzulehnen. Diese Mischung aus Verabsolutierung der Technologie und neoliberaler Gedanken habe die strukturelle Unterregulierung des Internets bis heute zur Folge. (FAZ v. 2. November 2020, S. 18)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Personalisierung der Informationen zerst\u00f6rt die Grundfunktion der \u00d6ffentlichkeit<\/h2>\n\n\n\n<p>&#8222;Unser Ziel ist es, mit dem Newsfeed die perfekte personalisierte Zeitung f\u00fcr jede Person auf der Welt zu schaffen&#8220;, sagte Facebook-Gr\u00fcnder <em>Zuckerberg<\/em>, wohl ohne selbst zu bemerken, welches Problem f\u00fcr den Erhalt von Meinungsvielfalt er damit beschrieb. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/facebook-algorithmus-digitalisierung-mark-zuckerberg-1.4207561\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/facebook-algorithmus-digitalisierung-mark-zuckerberg-1.4207561<\/a> Die konsequente Personalisierung der Informationen zerst\u00f6rt die Grundfunktion der \u00d6ffentlichkeit, n\u00e4mlich den offenen Austausch der vielf\u00e4ltigen und kontroversen gesellschaftlichen Meinungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bundesverfassungsgericht hat schon in seinem Urteil vom 18. Juli 2018 zum Rundfunkbeitrag auf die Gefahr hingewiesen, &#8222;dass \u2013 auch mit Hilfe von Algorithmen \u2013 Inhalte gezielt auf Interessen und Neigungen der Nutzerinnen und Nutzer zugeschnitten werden, was wiederum zur Verst\u00e4rkung gleichgerichteter Meinungen f\u00fchrt&#8220;. <a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2018\/07\/rs20180718_1bvr167516.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2018\/07\/rs20180718_1bvr167516.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Filterblasen- oder Echokammereffekt<\/h2>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig ist bei solchen Bubbles vom Filterblasen- oder Echokammereffekt die Rede. <a href=\"http:\/\/www.lse.ac.uk\/assets\/richmedia\/channels\/publicLecturesAndEvents\/slides\/20110620_1830_theFilterBubble_sl.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/www.lse.ac.uk\/assets\/richmedia\/channels\/publicLecturesAndEvents\/slides\/20110620_1830_theFilterBubble_sl.pdf<\/a> So plausibel diese Ph\u00e4nomene erscheinen, so d\u00fcnn sind allerdings bisher die empirischen Nachweise ges\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Als einigerma\u00dfen gesichert gilt jedoch, dass bei zahlenm\u00e4\u00dfig durchaus beachtlich gro\u00dfen gesellschaftlichen Gruppen, die sich in Opposition zu der in den klassischen Medien ver\u00f6ffentlichten Meinung verstehen, durch die personalisierten Nachrichtenstr\u00f6me Verfestigungen von Vorurteilen oder Ideologien beobachtbar sind, sodass sich polarisierende <em>Gegen- oder Teil\u00f6ffentlichkeiten<\/em> mit unterschiedlichen Wahrheitsanspr\u00fcchen bilden. <a href=\"https:\/\/zukunft.orf.at\/rte\/upload\/texte\/qualitaetssicherung\/2018\/orf_public_value_studie_demokratie_2018.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/zukunft.orf.at\/rte\/upload\/texte\/qualitaetssicherung\/2018\/orf_public_value_studie_demokratie_2018.pdf<\/a> Das l\u00e4sst sich etwa in den USA sehr gut beobachten, noch ein Jahr danach hielt ein Drittel der Bev\u00f6lkerung die letzte Wahl f\u00fcr gef\u00e4lscht. An die Stelle einer gemeinsamen \u00d6ffentlichkeit, die die Gesellschaft zusammenh\u00e4lt, ist eine Vielzahl von \u00d6ffentlichkeiten, sind alternative Fakten getreten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Verrohung der Sprache<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine Tatsache ist jedenfalls unbestritten: Im Netz ist eine Verrohung, ja teilweise sogar eine Vergiftung der Sprache beobachtbar. <a href=\"https:\/\/reklamation.com\/presse\/verrohung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/reklamation.com\/presse\/verrohung<\/a> Die Verwilderung in der zwischenmenschlichen Kommunikation im Netz ist oft eng verbunden mit einem pauschalen Antielitismus, einer allgemeinen Skepsis, mit Homophobie und Fremdenhass, mit Rassismus bis hin zu Aufrufen zur Gewalt. Das Internet wurde geradezu zu einem Sammelpunkt f\u00fcr fremdenfeindliche und antisemitischer Hetze. <a href=\"https:\/\/www.amadeu-antonio-stiftung.de\/w\/files\/pdfs\/hatespeech.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.amadeu-antonio-stiftung.de\/w\/files\/pdfs\/hatespeech.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ideologisch homogene Diskursr\u00e4ume f\u00fchren zur Radikalisierung von Meinungen und Positionen. So kann eine <em>Wir-gegen-die-Haltung<\/em> entstehen, die Hass s\u00e4hen und einen N\u00e4hrboden f\u00fcr politische Radikalisierung bilden kann. Solche sektenartige Ph\u00e4nomene lie\u00dfen sich etwa bei den Corona- oder <em>Querdenker<\/em>-Demonstrationen oder zunehmend verbreiteten Verschw\u00f6rungsmythen beobachten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbereinstimmende Studien zeigen, dass sich Fake News weiter, schneller, intensiver und breiter verbreiten denn als wahr klassifizierte Informationen. Falschmeldungen verbreiten sich in den sozialen Medien sechs Mal so schnell und hundert Mal so h\u00e4ufig wie normale Nachrichten. <a href=\"http:\/\/science.sciencemag.org\/content\/359\/6380\/1146\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/science.sciencemag.org\/content\/359\/6380\/1146<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Das Internet als die <em>Radikalisierungsmaschine des 21. Jahrhunderts<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p>Diesen Verbreitungseffekt nutzen nat\u00fcrlich auch die Sozialen Netzwerke f\u00fcr sich selbst, denn die <em>W\u00e4hrung<\/em> des Internets ist die Aufmerksamkeit \u2013 sie bringt Klickzahlen und Verweildauer und damit auch Werbeeinnahmen. Es herrscht die <em>Klick\u00f6konomie<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Nacktheit und Wut klicken sich gut. Auch Hass bringt Klickzahlen. So k\u00f6nnen soziale Medien zu asozialen Medien werden. Der NRW-Innenminister Herbert Reul sieht im Internet die &#8222;Radikalisierungsmaschine des 21. Jahrhunderts&#8220;. (K\u00f6lner Stadt-Anzeiger v. 10. Juni 2020, S. 3) Klassische journalistische Tugenden sind dem <em>Clickbaiting<\/em> eher abtr\u00e4glich. Man k\u00f6nnte auch sagen, das Radikale r\u00fcckt in die Mitte \u2013 oder die Mitte wird radikaler.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Die politische Rechte hat besser verstanden, wie Soziale Medien funktionieren<\/h2>\n\n\n\n<p>Gerade Rechtspopulisten beherrschen dieses Spiel mit der Wut&nbsp;gekonnt. Sie liefern, was der Algorithmus belohnt. Die AfD oder andere rechte Bewegungen nutzen solche <em>Infodemie<\/em>-Effekte f\u00fcr ihre politische Propaganda. <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/fuenf-arten-wie-soziale-medien-wahlen-beeinflussen-kolumne-a-1121577.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/fuenf-arten-wie-soziale-medien-wahlen-beeinflussen-kolumne-a-1121577.html<\/a> Die AfD verf\u00fcgt \u00fcber weit mehr als 80 Prozent aller Shares der politischen Parteien auf Facebook. <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/gesellschaft\/joseph-vogl-zur-wirtschaftskrise-der-apokalyptische-ton-gehoert-zum-marketing-92455828.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.fr.de\/kultur\/gesellschaft\/joseph-vogl-zur-wirtschaftskrise-der-apokalyptische-ton-gehoert-zum-marketing-92455828.html<\/a> Bei den Social-Media-Abrufen liegen die AfD und deren Politiker\/innen mit weitem Abstand vor den anderen Parteien. TikTok drosselt neuerdings die Millionen-Reichweite des Spitzenkandidaten der AfD bei der Europawahl, Maximilian Krah. <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/tiktok-afd-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/tiktok-afd-100.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>92 Prozent der Social-Media-Nutzer geben an, im vergangenen Jahr bei Facebook und Co. auf Fake News gesto\u00dfen zu sein. Also auf falsche bzw. irref\u00fchrende Informationen, die absichtlich dazu eingesetzt werden, um die \u00d6ffentlichkeit zu t\u00e4uschen. Die Meldung &#8222;Staat zahlt Harem 7.500 Euro im Monat: Syrer lebt jetzt mit 2 Ehefrauen und 8 Kindern in Deutschland&#8220; hat mehr Interaktionen auf Facebook erhalten, als 50 der meistgelesenen Nachrichtenseiten, etwa von Bild, Spiegel, Focus etc. (Hegelich, S.) <a href=\"https:\/\/www.kas.de\/documents\/252038\/253252\/7_dokument_dok_pdf_46486_2.pdf\/04db80c6-543e-40ff-23e7-03cc44fe6766?version=1.0&amp;t=1539650238695\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.kas.de\/documents\/252038\/253252\/7_dokument_dok_pdf_46486_2.pdf\/04db80c6-543e-40ff-23e7-03cc44fe6766?version=1.0&amp;t=1539650238695<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Desinformationskampagnen gab es vor allem bei stark umstrittenen Themen, wie Zuwanderung, Corona oder Klimakrise. Wie unkritisch die Deutschen sind, beweist eine Umfrage, wonach nur 16 Prozent meinen, dass sie auf Desinformation hereinfallen k\u00f6nnten. <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/netzwelt\/desinformation-im-netz-menschen-in-deutschland-beunruhigt,U5XlJUx\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/netzwelt\/desinformation-im-netz-menschen-in-deutschland-beunruhigt,U5XlJUx<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Desinformation verursacht Unsicherheit und diese Unsicherheit n\u00e4hrt Zweifel an allem und jedem\/r, was nicht Teil der eigenen, gef\u00fchlten Wirklichkeit ist. Mit Begriffen wie <em>alternative Fakten<\/em> wird suggeriert, dass Tatsachen reine Ansichtssache seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam geteilte und gepr\u00fcfte Informationen sind Voraussetzungen f\u00fcr eine funktionierende \u00d6ffentlichkeit in der Demokratie. Ohne einen Konsens in der Gesellschaft f\u00fcr die Unterscheidbarkeit von wahr und unwahr sowie von Tatsachen und Meinungen ist es jedoch &#8222;kaum m\u00f6glich im politischen Meinungskampf eine auf Argumenten basierende Auseinandersetzung konstruktiv zu f\u00fchren.&#8220; (Holznagel, B. <a href=\"https:\/\/zukunft.orf.at\/rte\/upload\/texte\/qualitaetssicherung\/2018\/orf_public_value_studie_demokratie_2018.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/zukunft.orf.at\/rte\/upload\/texte\/qualitaetssicherung\/2018\/orf_public_value_studie_demokratie_2018.pdf<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Wie kann eine Demokratie \u00fcberleben, wenn viele Menschen ihr Vertrauen in sie verlieren?<\/h2>\n\n\n\n<p>Mehr als drei Viertel der Deutschen erleben Hass im Netz. Das zeigen neuere Zahlen einer <em>forsa<\/em>-Studie im Auftrag der Landesanstalt f\u00fcr Medien NRW. <a href=\"https:\/\/www.medienanstalt-nrw.de\/themen\/hass\/forsa-befragung-zur-wahrnehmung-von-hassrede.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.medienanstalt-nrw.de\/themen\/hass\/forsa-befragung-zur-wahrnehmung-von-hassrede.html<\/a> Fast jede zweite Person (49&nbsp;%) wurde schon einmal online beleidigt. 69% der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren waren schon einmal von Beleidigungen und Beschimpfungen im Netz betroffen. Vor allem Jugendliche werden mit <em>Cyber-Mobbing<\/em> (jedes sechste Schulkind ist Opfer) , <em>Bullying<\/em> (also mit Mobbing im Umfeld der Schule), <em>Cybergrooming<\/em> (d.h. einem Heranmachen an Kinder) oder <em>Sexting<\/em> (d.h. mit einem Missbrauch erotischer Fotos) konfrontiert. <a href=\"https:\/\/www.klicksafe.de\/themen\/kommunizieren\/cyber-mobbing\/cyber-mobbing-zahlen-und-fakten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.klicksafe.de\/themen\/kommunizieren\/cyber-mobbing\/cyber-mobbing-zahlen-und-fakten\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Hassreden werden sp\u00e4testens dann gef\u00e4hrlich f\u00fcr unsere Gesellschaft, wenn die Hetze des einen die Meinungsfreiheit des anderen einschr\u00e4nkt. Die vergiftete Diskussion kann dazu f\u00fchren, dass Menschen sich aus Angst vor den hassvollen Reaktionen anderer nicht mehr trauen, ihre Meinung zu \u00e4u\u00dfern, Medienredaktionen ganze Themenbl\u00f6cke meiden, weil sie sich der unzivilisierten Debatte nicht gewachsen f\u00fchlen. Oder weil Anfeindungen Menschen davon Abhalten, f\u00fcr ein politisches Amt zu kandidieren. Einem <em>kommunalen Monitoring<\/em> zufolge waren im letzten Jahr 38 % solchen Angriffen verbaler oder gar k\u00f6rperlicher Art ausgesetzt. &#8222;Lauter Hass f\u00fchrt zu leisem R\u00fcckzug&#8220;, ist die \u00dcberschrift einer einschl\u00e4gigen Studie. <a href=\"https:\/\/kompetenznetzwerk-hass-im-netz.de\/lauter-hass-leiser-rueckzug\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/kompetenznetzwerk-hass-im-netz.de\/lauter-hass-leiser-rueckzug\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt zwar eine Vielzahl von privaten und staatlichen Initiativen gegen Hass, Mobbing und Aufkl\u00e4rung von Desinformation, aber eine <em>Abr\u00fcstung der Sprache<\/em> im Netz ist jedoch nicht feststellbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kampf gegen Hassreden ist also auch ein Kampf f\u00fcr die Meinungsfreiheit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Nicht die Digitalisierung der Demokratie, sondern die Demokratisierung des Digitalen ist die dr\u00e4ngendste Aufgabe<\/h2>\n\n\n\n<p>Viele Protagonisten der Digitalisierung in der Wirtschaft und auch in der Politik vertreten den Standpunkt, dass sich die Demokratie der Digitalisierung anpassen m\u00fcsse, dass auch politische Prozesse durch Algorithmen gesteuert werden k\u00f6nnten, die auf die Optimierung des Gemeinwohls programmiert w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Demokratie kennt jedoch kein Optimum, sie lebt vom m\u00fchsamen Aushandeln komplexer Probleme unter Einbeziehung unterschiedlichster Interessen und Werte in einem partizipativen Verfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zurecht stellte Bundespr\u00e4sident Steinmeier die Forderung auf:<br>&#8222;Nicht die Digitalisierung der Demokratie, sondern die Demokratisierung des Digitalen ist die dr\u00e4ngendste Aufgabe&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Regulierungsversuche auf dem Feld des Internets<\/h2>\n\n\n\n<p>Es hat noch nie in der Geschichte ein Medium gegeben, das nicht reguliert wurde. Die Frage ist allerdings, ob die Politik \u00fcberhaupt noch in der Lage ist, die Tech-Giganten zu z\u00e4hmen. Facebook hat gegen jegliche Regulierung eine bislang erfolgreiche Strategie: <em>Verz\u00f6gern, Abstreiten, Vort\u00e4uschen<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bosse der f\u00fcnf Internetoligopole, die zu den reichsten Menschen der Welt geh\u00f6ren, vertraten \u00fcber lange Jahre unisono und penetrant die Ideologie, sie seien nur neutrale Dienstleister f\u00fcr ihre <em>User<\/em> und k\u00f6nnten f\u00fcr die von ihren Nutzern verbreiteten Inhalte nicht als <em>Herausgeber<\/em> zur Verantwortung gezogen werden. Die <em>Sozialen Medien<\/em> seien demnach nur eine Art <em>digitales Schwarzes Brett<\/em>, auf dem Leute ihre Zettel anhefteten, ohne dass der Aufsteller der Anschlagtafel eine Verantwortung daf\u00fcr tr\u00fcge, was dort <em>gepostet<\/em> werde. (K\u00fchling, J. Schwartmann, F. in der FAZ v. 19.11.2020, S. 8)<\/p>\n\n\n\n<p>In den USA wurde dieser Grundsatz sogar in einem Gesetz verankert.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus einer Mischung aus Technikbegeisterung, Staatsabwehr und dem naiven Glauben an die <em>Freiheit im Netz<\/em> wird diese Ideologie der Netz-Oligopolisten vor allem von einem gro\u00dfen Teil der j\u00fcngeren Online-Community massiv unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Internet ist jedoch kein rechtsfreier Raum. Warum sollte die digitale Welt anders funktionieren als die analoge, mit genauso vielen Freiheiten aber auch Pflichten?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jede Regulierung m\u00fcsste jedoch gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche individuelle Meinungsfreiheit und Schutz vor staatlicher oder privater Zensur und dar\u00fcber hinaus ein hohes Ma\u00df an Datenschutz gew\u00e4hrleisten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings ist weder Hass noch ist jede L\u00fcge strafbar und auch falsche Meinungen, sogar Widerw\u00e4rtiges sind durch das Grundgesetz gesch\u00fctzt. Das Bundesverfassungsgericht garantiert der Meinungsfreiheit einen breiten Spielraum.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Netzwerkbetreiber haben sich selbst sog. Gemeinschafts- oder Community-Standards zum Schutz vor sch\u00e4dlichen oder anst\u00f6\u00dfigen Inhalten oder gegen Missbrauch auferlegt. So schlimm man die Tweets von Trump auch gehalten haben mag, dass Facebook und Twitter einfach dessen Nutzerkonten gesperrt haben, das hat mit rechtsstaatlichen Grunds\u00e4tzen nichts zu tun. Dieses <em>Hausrecht<\/em> ist als private Zensur gef\u00e4hrlich und jedenfalls verfassungsrechtlich problematisch. Es zeigt den autorit\u00e4ren Charakter der digitalen Revolution. <a href=\"https:\/\/news.gaborsteingart.com\/online.php?u=YCSTTI010883\">https:\/\/news.gaborsteingart.com\/online.php?u=YCSTTI010883<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr die <em>unheimliche Macht<\/em> <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/my\/unternehmen\/it\/youtube-und-der-zoff-ums-urheberrecht-die-unheimliche-macht\/24100456.html?ticket=ST-151384-chuqhkvnrQDeLAZqdmz5-cas01.example.org\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.wiwo.de\/my\/unternehmen\/it\/youtube-und-der-zoff-ums-urheberrecht-die-unheimliche-macht\/24100456.html?ticket=ST-151384-chuqhkvnrQDeLAZqdmz5-cas01.example.org<\/a> der Internet-Oligopolisten war ein Boykott von Facebook gegen ein in Australien geplantes Gesetz, das von den Plattformen verlangte einen Teil ihrer Einnahmen aus der Verlinkung von Artikeln und Filmen an die Urheber, also an Verlage oder K\u00fcnstler abzugeben. Selbst beh\u00f6rdliche Notdienste, wie die Feuerwehr waren \u00fcber Nacht gesperrt.<\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland versuchen es die Konzerne mit <em>Schmieren statt Regulieren<\/em>. Um Regulierungen in Deutschland abzuwehren, hat sich <em>Google<\/em> mit vielen Verlagen, wie etwa die <em>FAZ<\/em>, dem <em>Spiegel<\/em>, der <em>Funke Mediengruppe<\/em> und vielen anderen mehr geeinigt und gibt ein wenig Geld ab. Diese Geldaussch\u00fcttung erfolgt nach &#8222;Gutsherrenart&#8220;. (Leisegang, D., Facebook gegen Australien: Der globale Stellvertreterkrieg, in: Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik, 4\/2021 S. 29ff.)<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist Aufgabe der Politik, die rechtlichen Parameter fu\u0308r die Erm\u00f6glichung freier und unabh\u00e4ngiger Berichterstattung sowie fu\u0308r den freien und offenen Willensbildungsprozess zu setzen und Plattformen Pflichten f\u00fcr die gemeinwohlvertr\u00e4gliche Ausgestaltung \u00f6ffentlicher Kommunikationsr\u00e4ume aufzuerlegen.<br>Immerhin gibt es inzwischen sowohl auf europ\u00e4ischer Ebene als auch als innerstaatliches Recht zahlreiche Regulierungsma\u00dfnahmen:<br>Von der Haftung der Plattformen f\u00fcr Urheberrechtsverletzungen, \u00fcber die Anpassung des Wettbewerbsrecht, der <em>Datenschutzgrundverordnung<\/em> (DSGVO), dem <em>Netzwerkdurchsetzungsgesetz<\/em> (NetzDG), dem <em>Telemediengesetz<\/em> (TMG), dem <em>Digital Services Act<\/em> (DAS) und seiner k\u00fcrzlich verabschiedeten Umsetzung ins deutsche Recht, dem Digitale-Dienste-Gesetz, dem <em>Digital Market Act<\/em> (DMA), bis hin zu mehreren Novellen des Medienstaatsvertrages der L\u00e4nder und dem Aufbau einer Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Straftaten im Internet. Heftig gestritten wird derzeit \u00fcber ein <em>Medienfreiheitsgesetz<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Regulierungsversuche sollen hier im Einzelnen nicht dargestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob diese Regulierungen den rechtlichen und vor allem auch praktischen Rahmen bieten k\u00f6nnen f\u00fcr die Erm\u00f6glichung freier und unabh\u00e4ngiger Berichterstattung sowie f\u00fcr den freien und offenen Willensbildungsprozess und ob sie den Plattformen hinreichende Pflichten f\u00fcr eine gemeinwohlvertr\u00e4gliche Ausgestaltung \u00f6ffentlicher Kommunikationsr\u00e4ume auferlegen k\u00f6nnen, wird sich erst noch erweisen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wirklich gefruchtet haben die meisten der Regulierungen bislang noch nicht sehr viel. So gingen z.B. erheblich weniger Meldungen \u00fcber strafrechtlich relevante Inhalte ein, als erhofft wurde. Schon jetzt zeigt sich, dass die Internetkonzerne solche Regelungen auszutricksen versuchen. Gegen die Konzentrationseffekte wurde bislang viel zu wenig unternommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Immerhin hat die EU-Kommission unl\u00e4ngst eine Wettbewerbsstrafe von 1,8 Milliarden Euro gegen den US-Tech-Giganten <em>Apple<\/em> verh\u00e4ngt, mit der Begr\u00fcndung, dass das Unternehmen seine marktbeherrschende Stellung f\u00fcr den Vertrieb von Musik-Streaming-Apps an iPhone- und iPad-Nutzer \u00fcber seinen App Store missbraucht habe. Man darf gespannt sein, was die k\u00fcrzlich eingeleiteten Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission gegen <em>Alphabet<\/em>, <em>Apple<\/em> und <em>Meta<\/em> erbringen.<br>Ma\u00dfnahmen \u00fcber die bisherigen Regulierungen hinaus<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u00dcber die bisherigen regulatorischen Bestimmungen hinaus, sollte bei demokratierelevanten Plattformen eine Trennung von Verbreitungsweg und Inhalten gesetzlich vorgeschrieben werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Plattformen und Provider sollten nicht l\u00e4nger haftungsfrei bleiben, wenn sie rassistische, antisemitische, pers\u00f6nlichkeitsverletzende Inhalte weiterverbreiten, die nach deutschem und europ\u00e4ischem Recht strafbar sind.<\/li>\n\n\n\n<li>Au\u00dferdem sollte \u2013 analog zu den bereits bestehenden Regelungen im Medienstaatsvertrag &#8211; eine Marktanteilsobergrenze von max. 30 % f\u00fcr digitale Plattformen eingef\u00fchrt werden, die demokratierelevante Inhalte verbreiten, die f\u00fcr die Meinungsbildung wichtig sind.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Algorithmen sollten transparent und zumindest extern erforschbar werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Es sollte ein Verbot der Monetarisierung strafbarer Inhalte durch Werbung oder Geb\u00fchren geben. (Die meisten dieser Vorschl\u00e4ge habe ich dem Buch von Martin Andree, BigTech muss weg, a.a.O. entnommen)<\/li>\n\n\n\n<li>Zur strafrechtlichen Verfolgung sollten von sozialen Netzwerken die IP-Adressen herausgeben m\u00fcssen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Wichtig w\u00e4re vor allem auch eine gr\u00f6\u00dfere Medienkompetenz.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Stimmen, die ganz grunds\u00e4tzlich in Frage stellen, dass die Netz-<em>Infrastruktur<\/em> sich in privater Hand befinden darf. Wie beim Stra\u00dfennetz m\u00fcsse der Staat diese Infrastruktur zur Verf\u00fcgung stellen, die dann unternehmerisch und privat genutzt werden k\u00f6nne. (Wilhelm, U., FAZ v. 14.01.2021, S. 6)<\/p>\n\n\n\n<p>Zunehmend werden auch Forderungen nach einer digitalen Souver\u00e4nit\u00e4t wenigstens auf europ\u00e4ischer Ebene gegen die Digital-Oligopolisten aus den USA und inzwischen auch aus China laut. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/digital\/europa-medienpolitik-gastbeitrag-gostomzyk-1.5034951\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/digital\/europa-medienpolitik-gastbeitrag-gostomzyk-1.5034951<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Umbruch der Medienlandschaft wird sich nach aller Voraussicht in den n\u00e4chsten Jahren beschleunigt fortsetzen. Ohne Gegenma\u00dfnahmen werden sich klassische Medien im <em>Plattformisierungsprozess<\/em> weder \u00f6konomisch noch publizistisch behaupten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Warum also nicht eine \u00f6ffentliche, beitragsfinanzierte Plattform?<\/h2>\n\n\n\n<p>Warum sollte der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk nicht dorthin gehen, wo sich die jungen Zielgruppen aufhalten? (Zur Idee eines \u00f6ffentlich-rechtlichen Internets ausf\u00fchrlich Holznagel, B., Demokratieauftrag des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks (S. 6ff.) und Fuchs, C., Digitale Demokratie und \u00f6ffentlich-Rechtliche Medien, in der Public Value Studie des ORF, Auftrag: Demokratie, 2018, S. 94ff., (S. 116ff.), siehe auch Beschluss der Klausur der Rundfunkkommission 19.\/20. Januar 2023 in Deidesheim <a href=\"https:\/\/www.rlp.de\/fileadmin\/rlp-stk\/pdf-Dateien\/Medienpolitik\/Beschluesse_der_Rundfunkkommission\/Beschluss_der_RFK_vom_20.1.23_zur_Reform_des_oeffentlich-rechtlichen_Rundfunks.pdf)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.rlp.de\/fileadmin\/rlp-stk\/pdf-Dateien\/Medienpolitik\/Beschluesse_der_Rundfunkkommission\/Beschluss_der_RFK_vom_20.1.23_zur_Reform_des_oeffentlich-rechtlichen_Rundfunks.pdf)<\/a><br>Bei aller berechtigten Kritik am \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk h\u00e4tte eine solche Public-Service-Plattform folgende Vorteile:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Im Gegensatz, in Konkurrenz und in Erg\u00e4nzung zu den privaten Sozialen Medien, aber auch im Unterschied zum privaten Rundfunk und zur Presse &#8211; die <em>Tendenzbetriebe<\/em> und gewinnorientiert sind &#8211; k\u00f6nnte ein \u00fcber eine <em>Demokratieabgabe<\/em> \u2013 wie das Bundesverfassungsgericht den Rundfunkbeitrag genannt hat &#8211; finanziertes Internetangebot etwa auf der gesetzlichen Basis des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks sich dem kommerziellen Primat entziehen.<\/li>\n\n\n\n<li>Ein solches Public Value-Internetangebot k\u00f6nnte staatsfern von gesellschaftlichen Gruppen kontrolliert werden, demokratische Teilhabe erm\u00f6glichen und w\u00e4re nicht anonymen Shareholdern verpflichtet.<\/li>\n\n\n\n<li>Es k\u00f6nnte gemeinwohlorientiert, unabh\u00e4ngig und identit\u00e4tsstiftend ausgerichtet und dem Wahrhaftigkeits- und Achtungsgebot sowie der Einhaltung journalistischer Grunds\u00e4tze verpflichtet sein.<\/li>\n\n\n\n<li>Es k\u00f6nnte auf den Verkauf von Daten verzichten und w\u00e4re nicht auf die (Daten-) Ausbeutung der Nutzer angewiesen.<\/li>\n\n\n\n<li>Ein solcher \u00f6ffentlich-rechtlicher Netzauftritt k\u00f6nnte gesetzlich auf Meinungsvielfalt, auf Pluralit\u00e4t des Angebots, Vielfalt der Akteure und der Themen, auf journalistische Darstellungsformen und auf inhaltliche Ausgewogenheit verpflichtet werden und<\/li>\n\n\n\n<li>durch einen gesellschaftlichen Integrationsauftrag der Spaltung der \u00d6ffentlichkeit und dar\u00fcber hinaus Hassreden und Verschw\u00f6rungsdenken entgegenwirken.<\/li>\n\n\n\n<li>Eine solche Plattform k\u00f6nnte mit dem Versprechen an die Nutzer verbunden sein, dass die Daten gesch\u00fctzt und die Algorithmen transparent gemacht w\u00fcrden.<\/li>\n\n\n\n<li>Au\u00dferdem k\u00f6nnte im Sinne eines <em>kommunikativen Versorgungsauftrags<\/em> zus\u00e4tzlich f\u00fcr die Inhalte eine Creative Commons-Lizenz vergeben werden, sodass die Inhalte von den Usern beliebig (z.B. auch als schulische Lernmittel) genutzt werden k\u00f6nnten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Einen Einstieg in eine solche Plattform haben ARD und ZDF mit dem Jugendangebot <em>funk.net<\/em> f\u00fcr eine j\u00fcngeres Publikum gemacht. Auch die Mediatheken sind nicht-lineare Angebote, die aber bisher ein Schattendasein fristen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis es eine solche gemeinsame Plattform gibt, sollten ARD und ZDF mit den kommerziellen Digitalunternehmen enger zusammenarbeiten, um die nachrichtliche Aktualit\u00e4t und gesellschaftlich relevante Themen dort nutzerfreundlich und bevorzugt zu verbreiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Letzenden Endes sind allerdings die privaten Plattformen dabei die Gewinner, indem ihnen weitgehend kostenlos Inhalte (Content) liefert und die eigene Marke der \u00f6ffentlich-rechtlichen Angebote f\u00fcr die Nutzerinnen und Nutzer nicht nur unsichtbar wird, sondern auch noch der Eindruck entsteht, als w\u00fcrde es sich um Produktionen der Internetoligopolisten handeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der geschilderten Gef\u00e4hrdungen f\u00fcr unsere Demokratie w\u00e4re es Aufgabe und Pflicht aller politisch Verantwortlichen und aller demokratischen Parteien, solche Institutionen, die f\u00fcr eine funktionierende Demokratie wesentlich sind, besonders zu sch\u00fctzen und zu st\u00e4rken. (So der Appell des Initiativkreises \u00f6ffentlich-rechtlicher Rundfunk, I\u00d6R)<\/p>\n\n\n\n<p>Leider verl\u00e4uft die aktuelle Diskussion \u00fcber den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk \u2013 einer f\u00fcr unsere Demokratie tragenden Institution \u2013 in die gegenteilige Richtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Sicht der Feinde unserer Demokratie ist es daher nur folgerichtig, den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk abzuschaffen, wie es die AfD fordert. Wenn in Th\u00fcringen ein Kandidat der AfD zum Ministerpr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt w\u00fcrde, best\u00fcnde die Gefahr, dass der mdr-Staatsvertrag aufgek\u00fcndigt werden oder ein neuer Staatsvertrag zwischen den L\u00e4ndern verhindert werden k\u00f6nnte. (R\u00f6per, H. <a href=\"https:\/\/www.blog-der-republik.de\/gefaehrdung-des-oeffentlich-rechtlichen-rundfunks-durch-die-afd-gastbeitrag-von-horst-roeper\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.blog-der-republik.de\/gefaehrdung-des-oeffentlich-rechtlichen-rundfunks-durch-die-afd-gastbeitrag-von-horst-roeper\/<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger f\u00fcrchten leider die Konkurrenz einer Internetplattform des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks f\u00fcr ihre eigenen Netzangebote, denn damit k\u00f6nnten ihnen Werbegelder abgezogen werden. Dabei sehen sie nicht den <em>Elefanten im Raum<\/em>, n\u00e4mlich die privaten Internetoligoplisten, die schon jetzt den L\u00f6wenanteil des Werbekuchens an sich gerissen haben und immer gefr\u00e4\u00dfiger werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht w\u00e4re deshalb eine gemeinsame Plattform des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks ggfls. zusammen mit privaten Qualit\u00e4tsmedien einer ernsthaften Pr\u00fcfung wert.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Konkurrenzf\u00e4higkeit gegen\u00fcber den BigTech-Oligopolisten m\u00fcssten eher mehr Finanzmittel gew\u00e4hrt werden, statt wie gegenw\u00e4rtig in erster Linie \u00fcber Einsparungen bei den Rundfunkanstalten zu diskutieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob ein solches beitragsfinanziertes, \u00f6ffentlich-rechtliches Angebot ausreichend Publikum f\u00e4nde, ist zwar ungewiss und wird vielfach bezweifelt, aber immerhin best\u00fcnde eine Alternative zu den Internetoligopolisten und ein Angebot f\u00fcr eine <em>mediale Grundversorgung<\/em>. Voraussetzung f\u00fcr einen Erfolg w\u00e4ren jedoch auch die genannten Ma\u00dfnahmen, die uns vor Vorherrschaft der Digital-Konzerne befreiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz: Ein solches beitragsfinanziertes, \u00f6ffentlich-rechtliches Angebot w\u00e4re nach meiner Ansicht ein immer wichtiger werdender Beitrag zur St\u00e4rkung der Meinungsvielfalt und damit zur Demokratisierung des Internets.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Der Text entspricht einem Referat bei der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristen (ASJ) am Montag, dem 25. M\u00e4rz 2024, in D\u00fcsseldorf und wurde um einige Quellenangaben erg\u00e4nzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Siehe dazu auch mit weiteren Quellen: <a href=\"https:\/\/www.blog-der-republik.de\/wandel-des-mediensystems-kann-das-internet-die-klassischen-medien-ergaenzen-oder-gar-ersetzen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.blog-der-republik.de\/wandel-des-mediensystems-kann-das-internet-die-klassischen-medien-ergaenzen-oder-gar-ersetzen\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie k\u00f6nnte eine demokratische Alternative zur Macht der digitalen Medienmonopole aussehen? 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